Wie sieht unser Alltag im Jahr 2030 aus?
Besuch im Digital Hub münsterLAND
„Wie sieht unser Alltag im Jahr 2030 aus?“ – dieser Frage sind die Teilnehmerinnen des vlb bei ihrem Besuch im Digital Hub in Münster nachgegangen und haben spannende Antworten erhalten. In einem inspirierenden zweistündigen Vortrag hat Sven Grave (Geschäftsführer – Co-CEO) eindrucksvoll gezeigt, welche Trends und Technologien unseren Alltag in den kommenden Jahren prägen werden.

Im Fokus stehen Entwicklungen im Handel, im Familienleben und im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie mögliche Anwendungsbeispiele, die sich daraus ergeben könnten.
Handel:
Bedingt durch die „Evolution in der Digitalisierung“ bzw. „digitale Revolution“ – insbesondere junge Menschen kaufen online und lassen sich beliefern, statt in Geschäfte zu gehen – kommt es vermehrt zu Leerständen in Innenstädten. Welche Nutzungsideen könnten daraus entstehen? Wohnungsbau gilt als unrentabel. In Singapur etwa wird Leerstand durch Indoor-Fischzucht oder Vertical Farming umgenutzt.
Eine kurzfristige Idee ist „Stay open“: Schlafboxen werden temporär für Messen oder Events (z. B. Olympische Spiele Paris) in Leerständen aufgebaut und vermietet. Auch „grocer“, ein Pop-up-Store, bleibt nur drei Monate an einem Standort und zieht dann weiter. „Ecoalf“ stellt in Kooperation mit Fischern Kleidung aus Plastikmüll der Meere her und verkauft diese in recycelten, temporären Ladeneinrichtungen, die nach wenigen Monaten wieder geschreddert werden. Geschwindigkeit ist das neue Motto dieser Konzepte.
Es werden Zukunftsbilder skizziert: Supermärkte ohne Personal (z. B. Rewe „pick and go“ – bereits vier Shops in Deutschland), Drohnen-Lieferdienste und Spielzeugläden als Erlebniswelten in den USA und Fernost. In Studentenwohnheimen in den USA wird die Idee „Wir kaufen nicht mehr – wir leihen aus“ von „Tulu“ und namhaften Hausgeräteherstellern getestet. Für das gesamte Wohnheim stehen ausleihbare Staubsauger, AirFryer, E-Roller etc. zur Verfügung. Es wurde lebhaft diskutiert, ob das Wegwerfen stark verschmutzter oder defekter Geräte nachhaltiger ist als die Einzelanschaffung durch die Studierenden.
Deutlich wird: Der Handel erfindet sich neu – digitaler, vernetzter, aber auch emotionaler. Der Zeitdruck auf Handwerksunternehmen nimmt weiter zu – teils durch veränderte Anforderungen im Handel und in der Gesellschaft, teils durch den Fachkräftemangel. Restaurants bieten Lieferservice statt Lokalbetrieb an, Landschaftsbauer setzen selbstfahrende Baumaschinen ein, die Felsbrocken für Trockenmauern ausmessen und passgenau zusammensetzen.
Familie und Zusammenleben:
Nicht nur der Einkauf wandelt sich – auch das Zusammenleben in der Familie verändert sich. Lösungsansätze gegen Vereinsamung (digitale „Gefährten“ in Japan), zur Erleichterung der Haushaltsarbeit (vgl. Prof. Dr. Astrid Klingshirn bei der vlb-Bundestagung 2024) und digitale Assistenten (z. B. zur Unterstützung von Kindern bei Langeweile, Hausaufgaben oder in der Pflege – Stichwort Roboter-Hund) werden vorgestellt. Gesundheit findet nicht mehr ausschließlich in Arztpraxen statt, sondern wird aktiv gestaltet. Ein extremes Beispiel: Toiletten, die Urin und Stuhlfarbe sensorisch erfassen, analysieren und auswerten.
Künstliche Intelligenz:
Den größten technologischen Schub liefert die Künstliche Intelligenz. Ob und wann die beschriebenen Entwicklungen eintreffen, kann Sven Grave beim Blick in die Zukunft nicht vorhersagen. Seine These: „Alles, was elektrifiziert ist, wird mit künstlicher Intelligenz versehen.“ Problematisch ist derzeit, dass es für KI noch keine Jugendschutz- oder FSK-Angaben gibt. In den USA, einem technologischen Vorreiter, entsteht eine Gegenbewegung zum „Alles ist machbar“ – eine Reaktion auf die zunehmende Nutzung digitaler Medien und KI. Scott Galloway, Professor für Marketing an der New York University, rät zu längeren Offline-Zeiten und empfiehlt zwischenmenschliche Kontakte, gemeinsame Erlebnisse und kontroverse Diskussionen.
Der Roboter-Hund hat zur Unterhaltung der 20 Teilnehmerinnen gelaufen, gesprungen und sich auf die Hinterbeine gestellt. Solche Roboter könnten künftig zur Vermeidung von Vereinsamung eingesetzt werden.


Praktischer Teil:
Im Anschluss an den Vortrag hat Mirco Düren vom Digital Hub münsterLAND den Teilnehmerinnen einen praktischen Einblick in die Welt der digitalen Fertigung gegeben. Er hat die Grundlagen des 3D-Drucks erklärt und die Möglichkeiten des Laser Cuttings vorgestellt – ein spannender Ausblick auf die Potenziale moderner Produktionstechnologien zum Anfassen. Jede Teilnehmerin hat einen Schlüsselanhänger „vlbnet“ (3D-Druck) mit nach Hause genommen.

Sven Grave, Co-CEO Digital Hub münsterLAND
und Martina Reuber, vlb